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Unser Glossar: synartIQ-Wissen von A-Z

In unserem Glossar finden Sie gängige Begriffe rund um das Thema "Wissen". Wir erweitern unser Glossar stetig - schauen Sie daher ruhig immer mal wieder vorbei!

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Wissenstrüffel sind – in Analogie zu den seltenen und wertvollen Pilzen – die kostbaren, oft nur schwer auffindbaren Wissensanteile eines Menschen, die für das Funktionieren einer Organisation aber sehr wichtig sind. Es handelt sich dabei nicht um explizites Wissen, also Wissen, das bereits dokumentiert ist, oder um leicht formulierbare Schritte, sondern um hochgradig individuelles, häufig unbewusstes Erfahrungswissen. 

Dieses Wissen ist tief in den Gedanken und im Handlungsrepertoire einer Person verankert und wird erst im praktischen Tun des Wissensträgers bzw. der Wissensträgerin sichtbar. Zu den Wissenstrüffeln können beispielsweise implizite Fähigkeiten wie intuitive Problemlösungen, informelle Abläufe, situative Entscheidungen, Erfahrungswissen zu Ausnahmesituationen, Netzwerkeinschätzungen oder ein feines Gespür für Risiken und Chancen gehören. Sie stellen genau jene Wissensaspekte dar, die sich nicht ohne Weiteres aufschreiben oder in standardisierte Prozesse überführen lassen, aber dennoch maßgeblich zur Expertise einer Person beitragen.

Gerade weil die Wissenstrüffel nicht offen zutage liegen, sind sie für Unternehmen von unschätzbarem Wert: Verlässt ein:e Mitarbeiter:in das Unternehmen, ohne dass diese subtilen Wissensbestandteile zuvor identifiziert wurden, entstehen oft gravierende Wissenslücken.

Bei einem Wissenstransfer braucht es also gezielte Suchstrategien, um die Wissenstrüffel des/r betreffenden Wissensgeber:in zu identifizieren und nutzbar zu machen. Moderierte Interviews, situative Fallrekonstruktionen, kritische Ereignisanalysen oder das gemeinsame Durchgehen typischer Entscheidungswege sind bewährte Methoden, um das verborgene Wissen sichtbar zu machen.

Die Rolle der Wissenstransferbegleiter:innen oder Wissenstransfermanager:innen gleicht in diesem Bild dem „Trüffelschwein“ – fachlich geschult, aufmerksam, hartnäckig und mit einem guten Gespür für jene Stellen, an denen sich Wissenstrüffel verbergen könnten. Sie führen den/die Wissensgeber:in strukturiert durch den Wissenstransferprozess, helfen ihnen, ihre unbewussten Routinen zu reflektieren, und machen implizite Denk- und Handlungslogiken nachvollziehbar. Auf diese Weise werden die gefundenen Wissenstrüffel nicht nur dokumentiert, sondern so aufbereitet, dass sie für nachfolgende Mitarbeitende verständlich, nutzbar und in den Arbeitsalltag integrierbar sind.

Wissenstrüffel zu entdecken und zu sichern ist damit ein wesentlicher Schritt der Wissensbewahrung. Nur wenn es gelingt, diese seltenen Wissenselemente quasi an die Oberfläche zu holen und für die Nutzung aufzubereiten, bleibt die besondere Expertise eines Menschen für die Organisation erhalten.